Wappen des Christian-Erbach-Chores

Chorausflug nach Forlì

Wappen von Caprono Veronese


 

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Mit dem Christian-Erbach-Chor
in Forli/Italien

 

Mit dem Chor-Aus-„Flug“ (im wahrsten Sinn des Wortes „Flug“) zu Pfingsten 2006 galt es für den Christian-Erbach-Chor einer zwei Jahre zurück liegenden Einladung des Coro San Paolo aus Forli in die Emilia Romagna zu folgen. Der italienische Chor hatte 2004 eine Chorfreizeit in der Jugendherberge auf Burg Stahleck oberhalb von Bacharach verbracht und über die Website des Christian-Erbach-Chors im Internet und seinem damaligen Vorsitzenden Dr. Bernhard Freund Kontakt zu den Gau-Algesheimer Sängerinnen und Sängern aufgenommen. Am Sonntag, den 29. August 2004 besuchte der italienische Chor Gau-Algesheim, wirkte am Vormittag zusammen mit dem Christian-Erbach-Chor im Hochamt mit, gestaltete am frühen Abend zusammen mit dem Binger Regionalkantor Thomas Lennartz das „Festliche Konzert zur Nachkerb“ und lernte bei dieser Gelegenheit neben dem Christian-Erbach-Chor auch Gau-Algesheim und seine Umgebung kennen und lieben. Das gemeinsame Gotteslob und das gemütliche Beisammensein damals legte die Basis für eine Chorfreundschaft und die spontan ausgesprochene Gegeneinladung nach Italien.

Benno Neuhaus, inzwischen 1. Vorsitzender des Christian-Erbach-Chores erkundete 2005 vor Ort die Möglichkeiten eines Besuchs in der Emilia-Romagna und erarbeitete gemeinsam mit dem Chorleiter Enrico Pollini und dem jungen Vorsitzenden des gastgebenden italienischen Chores, überall nur mit seinem Vornamen Paolo gerufen, beide waren schon 2004 mit in Gau-Algesheim dabei, ein ausgetüfteltes Programm für den Gegenbesuch zu Pfingsten.

Mit dem Flieger ging es am Freitagnachmittag vom „Hahn“ im Hunsrück im Direktflug nach Forli. Gelandet, wurden wir von den Beiden und dortigen Chormitgliedern freudig in Empfang genommen, zu den bereitstehenden Bussen geleitet, die uns zur Kirche San Paolo zu einer zweiten herzlichen Begrüßung diesmal mit dem Pfarrer der Gemeinde brachten, das Programm wurde bekannt gegeben und Stadtpläne für den Aufenthalt in Cecenatico verteilt.

Inzwischen hatten die italienischen Gastgeber im nebenan gelegenen, großzügig erbauten Pfarrzentrum ein reichhaltiges und großartiges, mit Spezialitäten der Emilia bestücktes Büfett vorbereitet, wofür sich die deutschen Sängerinnen und Sängern mit Mendelssohn’s achtstimmigem „Jauchzet dem Herrn“ vor lauter Begeisterung und Vorfreude als Dank- und Tischgebet bedankten. Die Gastfreundschaft und Bewirtung ihrer deutschen Gäste ließen sich unsere italienischen Gastgeber, am folgenden Abend durch den Chor von Cecenatico, und am Abreisetag nochmals durch den Coro San Paolo, nicht nehmen und überboten sich geradezu mit dem, was sie dabei auf die Tische brachten. Die Gastfreundschaft war einmalig und überaus herzlich. Enrico und Paolo wichen nicht mehr von unserer Seite und waren zu jeder Zeit aufmerksame Gastgeber.

Wohl gestärkt, brachten uns die Busse im Anschluss in das voraus gebuchte Hotel Favorita in das etwa 30 km entfernte Cecenatico an der Adria. Gerade angekommen erkundeten die ersten den Strand und besuchten den alten Ortskern mit Touristen- und Shoppingmeile rechts und links des Hafenkanals gelegen. Auffallend die Sauberkeit auf den Straßen und Plätzen! Keine Zigarettenkippen, kein Unrat, keine Hundeexkremente trotz der vielen flanierenden Menschen mit ihren Vierbeinern!

Der folgende Morgen sah nach dem Frühstück zunächst einen Besuch der Kirche San Giacomo am Hafenbecken gelegen, mit einer Probe vor. Diese Kirche ist ein neu barocker, gewölbter Bau mit einer gewöhnungsbedürftigen Akustik für den Chor. Wer Matthias Heucher mit seiner Chorarbeit und seinem Bestreben kennt, seinen Chor immer und überall nur bestens vorbereitet und eingesungen in einen Gottesdienst oder ein Konzert mit zu nehmen, war sich sicher, dass dieser Chorausflug mit zahlreichen Proben auch anstrengend würde. Eine Hochzeit schränkte schließlich die Probenzeit in der Kirche ein. Willkommener Anlass mit einem Stadtführer den alten Ortskern von Cecenatico zu durchstreifen und je nach Lust und Laune in einer der zahlreichen, gemütlichen Lokale links oder rechts des Kanals auf eigene Faust und in kleinen Gruppen sich zu stärken.

Beeindruckend das schwimmende Schiffsmuseum auf dem Kanal mit typischen Fischer-, kleinen und größeren Frachtschiffen aus früheren Jahrhunderten für die Küstenschiffahrt. Aber auch die sogenannten „Eiskeller“ in der Ortsmitte, früher einzige Möglichkeit Fisch oder Fleisch in den heißen Sommermonaten zu lagern, fanden Aufmerksamkeit.

Der Nachmittag brachte die am Vormittag bereits angekündigte Probe im Frühstücksraum des Hotels für das abendliche Konzert in San Giacomo. Die kurze Pause bis zum Abmarsch und dem Einsingen in der Kirche wurde von wenigen Tapferen noch rasch für ein Bad im Meer genutzt. Die Temperaturen und vor allem das Wetter entsprachen ganz und gar nicht den Erwartungen der Reiseteilnehmer. Während die Reisegruppe bereits in Deutschland fröstelte, war es auch hier mit 11° bis 14° empfindlich kühl, und aus einem grauen wolkenverhangenen Himmel tröpfelte es hin und wieder.

Der Abend sah dann das große Konzert des Christian-Erbach-Chores anlässlich seiner Chorreise in San Giacomo in Cecenatico vor. Der Chor hatte sich dazu anspruchsvolle und schwierige Literatur aus seinem Repertoire ausgewählt dazu aber auch neue Werke einstudiert. Eine durchaus übliche „Erholungspause“ entweder durch ein Orgelstück oder „leichtere“ Chorliteratur während der über einstündigen Darbietung war für die Sängerinnen und Sänger nicht vorgesehen. Stück für Stück erklangen Werke von Erbach über Mauersberger (auf ausdrücklichen Wunsch des italienischen Gastchores) bis Rutter mit hohem Schwierigkeitsgrad. Ungewöhnlich für deutsche Verhältnisse war auch die Zeit für den Konzertbeginn um 22 Uhr. Das Konzert fand im Rahmen von Auftritten mehrerer Chöre in einer internationalen Veranstaltungsreihe der Kommune von Cecenatico statt und wurde mit Plakaten und einem eigenen Programmheft in der Öffentlichkeit großzügig angekündigt. Zuvor hieß es aber erst einmal wieder sich an einem hervorragenden, aus Köstlichkeiten landestypischer Spezialitäten bestehenden Büfett zu stärken, diesmal vom Chor von San Giacomo organisiert. Es fiel besonders durstigen rheinhessischen Weinzungen schwer sich angesichts des folgenden Konzertes des mundenden Weines und hier besonders des Rotweins der Region zu enthalten.

Die Honoratioren der Gemeinde, allen voran der Bürgermeister und der Pfarrer, ließen es sich nicht nehmen, das Konzert unseres Chores mit ihrem Besuch zu würdigen. Nach vielen Begrüßungsworten konnte das Konzert endlich um 22 Uhr beginnen. Der Chor sang sich trotz der ungewohnt späten Stunde und des Schwierigkeitsgrades der ausgewählten Chorliteratur vor voller Kirche in die Herzen der Zuhörer, die ihm am Ende mit herzlichem Applaus dankten. Wie nicht anders bei Rheinhessen üblich, musste das Gelingen, aber auch der Frust über das was nicht ganz so wie gewünscht geklappt hatte, in einer nahe gelegenen Kneipe herunter gespült werden.

Am nächsten Morgen, dem Pfingstsonntag, hieß es rechtzeitig zum Frühstück zu erscheinen, da uns die Busse nach Forli zurückholten, wo um 12 Uhr in der Abteikirche von San Mercuriale die Mitwirkung beim Gottesdienst angesagt war. Nach der Ankunft war Fototermin auf den Stufen von San Mercuriale an der großen Piazza und danach eine Stadtführung im Zentrum der etwa 100.000 Einwohner zählenden italienischen Stadt mit dem Dom, Regierungsgebäuden, Rathaus und historisch bedeutenden Gebäuden und Denkmälern. Zurückgekehrt in die Abteikirche folgte zunächst ein kleines Konzert auf den Stufen zum Chorraum.

Die hl. Messe gestaltete der Pfarrer an den besonderen Stellen ebenso wie seine Pfingstpredigt zweisprachig, zunächst italienisch und dann auf deutsch an den im Chorraum aufgestellten Chor gewandt, wobei er verriet, zweimal in Deutschland gewesen zu sein. Dabei habe er allerdings nicht gewusst, weil im italienischen nicht üblich, das „h“ betont auszusprechen, so dass er „eilig, eilig, eilig“ sagte, was die deutsche Gemeinde mit einem Schmunzeln honorierte und er sich zunächst in Unwissenheit über die Sprachdeutung wunderte. Schließlich ließ er es sich nicht nehmen, auf seinem Priestersitz abwartend dem Schlusschor bis zum letzten Ton zuzuhören und sich herzlich für die musikalische Bereicherung des Gottesdienstes zu bedanken. Die Gottesdienstbesucher - eine volle Kirche bis zum Schluss ausharrend! - bedankten sich ebenso mit herzlichem Applaus.

Nach diesem Erlebnis ging es zurück zum Gemeindezentrum San Paolo, wo uns der gastgebende Chor wieder mit einem mehrgängigen Mittagessen verwöhnte und für den Rückflug am Nachmittag stärkte. Zunächst gab es die für Italien typische Pasta, köstliche Nudeln mit Hackfleich und Tomatensoße, die so lecker zubereitet waren, dass man kaum widerstehen konnte ein zweites Mal zu zugreifen. Wer dies getan hatte, bekam bereits Schwierigkeiten mit dem nachfolgenden Hauptgang, hausgemachte Pommes mit Braten, Bratwurst und grünem Salat. Den Abschluss bildeten eine unwiderstehliche Süßspeise, Obstsalate, frisches Obst, Kirschen und Erdbeeren aus der Region, köstliche Kuchen, Kaffee und Digestives. Der Wein floß in Strömen und durfte diesmal bedenkenlos und bis der Vorrat aufgebraucht war genossen werden.
Mit einem herzlichen Dankeschön an die Gastgeber und der Übergabe von Geschenken endete dieser Chor-Aus-„Flug“ 2006 nach Forli. Müde von den anstrengenden Tagen, den Proben und dem Singen und natürlich dem köstlichen Essen, aber reich beschenkt von einer überwältigenden Gastfreundschaft fuhr der Christian-Erbach-Chor unter dem Winken der Gastgeber zum Flugplatz, wo uns das Flugzeug aufnahm und nach einstündigem Flug wieder heil nach Deutschland brachte.

Ein ganz besonderes Dankschön an die Organisatoren dieser Chorfahrt, besonders an Benno Neuhaus, die italienischen Organisatoren, aber  auch an die Chormitglieder und Mitfahrer, die dank ihrer Disziplin den straffen Zeitplan exakt einhalten halfen.

Manfred Wantzen


 


webmaster@christian-erbach-chor.de: Letzte Änderung vom 23.06.2006