Konzert


Jahreskonzert 2000 des Christian-Erbach Chores


Johannes Brahms "Ein deutsches Requiem"

am 05. November 2000

     

Johannes Brahms (1833-1897) - Ein deutsches Requiem (1868)
Eine Werkeinführung

     

Sponsoren des Jahreskonzertes

     

Bilder aus Jena
Bilder aus Gau-Algesheim

     

Zeitungsberichte zum Konzert vom 05. November:

Allgemeine Zeitung

Ingelheimer Wochenblatt

 

 









Johannes Brahms (1833-1897) - Ein deutsches Requiem (1868)
Eine Werkeinführung


"Was den Text betrifft, so will ich bekennen, dass ich recht gern auch das "Deutsch" fortließe und einfach "den Menschen" setzte"- Dieses Zitat von Brahms aus der Korrespondenz um die Bremer Aufführung mit Carl Reinthaler benennt auch den Kern der vom Komponisten sehr überlegt zusammengestellten Textvorlage. "Ein deutsches Requiem" ist eben nicht eine deutsche Fassung des lateinischen Requiem-Textes, sondern eine musikalische Totenfeier, die quer steht zum liturgischen Modell. Ganz im Gegensatz zur traditionellen Bitte um Erlösung des Toten steht bei Brahms der Mensch im Vordergrund - der Lebende - der zurückgelassene, der Trauer und Leid Tragende. Er soll getröstet werden. Von dieser Leitidee ausgehend wird in den einzelnen Sätzen aus verschiedenen Perspektiven über den Tod meditiert und reflektiert, und um den Begriff des Trostes gruppieren sich Hoffnung und Geduld, Ruhe und Zuversicht.


Musikalisch steht das Requiem in der Biographie von Brahms in einer Zentralstellung: In der viel-fältigen Erfindungskraft, der Neigung zu ausladender Breite, der Pflege barocker und klassischer Techniken laufen die Fäden seiner bisherigen Studien und Arbeiten zusammen. Sowohl in der formalen Anlage wie in den satztechnischen Details und Verfahren zeigt sich hier die Meisterschaft, die Brahms zu Recht auf einen Schlag zu einem der anerkanntesten Meister seiner Zeit machte.
Stärker als bei den meisten zeitgenössischen Oratorien ist der Chor sowohl als Klangkörper wie als Träger des gedanklichen Gehalts in den Mittelpunkt gestellt. Keiner der Sätze ist ohne Chorbe-teiligung, und die Solopartien bringen inhaltlich nichts, was nicht auch im Chor thematisiert würde. Die verschiedenen Satzformen und die sorgfältige Beachtung der vokalen Linie in allen Stimmen machen die Partitur so auch zu einer der dankbarsten Aufgaben für die aufführenden Chöre: Kontrapunktische Kunststücke wie die reichen Chorfugen (Nr. 3, und Nr. 6), liedhafte, motettenartige und choralmäßige Passagen greifen ineinander, bildkräftige Ausdeutungen der Textinhalte haben ebenso ihren Platz wie großräumig entfaltete musikalische Zusammenhänge. Nicht selten fungiert das Orchester wie ein zweiter Chor, nicht begleitend und nicht dominierend, sondern auslösend, antwortend und weiterführend.


Der erste Satz ist ein ruhiger Eingang, der die Zeitlosigkeit von Trauer und Trost beschwört. Rhythmisch profiliert dagegengesetzt folgt im zweiten Satz ein Totenmarsch im ¾ Takt. Dem harten resignierten Ton wird im abschließenden Fugato die Vision ewiger Freude klangmächtig entgegengesetzt. Der dritte Satz überträgt die allgemeinen Reflexionen auf das leidende Individuum. Die im Wechsel von Bariton und Chor zunehmend schmerzlicher formulierte Frage findet ihre vorläufige Antwort in der berühmt berüchtigten Orgelpunkt-Fuge in der Brahms das Tonika-D als Symbol unerschütterlicher Glaubenssicherheit über 36 Doppeltakte in Pauken, tiefen Streichern und Bläsern liegen lässt.


Nach den gewaltigen Bildern der Sätze 2 und 3 entwirft der vierte Satz eine pastorale Idylle. Das Sopran-Solo (Nr. 5) stellt die wichtigsten Begriffe "Traurigkeit" und "Trost" noch einmal dicht nebeneinander. Auf diese beiden zurückhaltenden Nummern folgt nun der mächtigste, dramatischte Abschnitt: "Denn wir haben hie keine bleibende Statt". In einem gewaltigen Satz präsentiert Brahms die Auferstehungsvision nicht als drohendes jüngstes Gericht, sondern als mächtigen Triumph, wobei der eindrucksvolle Totentanz "Denn es wird die Posaune erschallen" von der mächtigsten Fuge des Werks "Herr du bist würdig", weitergeführt wird. Ein freundlicher Nachklang ist dann der siebte Satz, der wieder in den Gedankenkreis und die musikalische Atmosphäre des Anfangssatzes zurückleitet, dabei aber mit feinsten Bezügen eine neue Qualität der Darstellung und Durchdringung erreicht.


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