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Johannes Brahms (1833-1897) - Ein deutsches Requiem (1868) |
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Zeitungsberichte zum Konzert vom 05. November: |
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"Was den Text betrifft, so will ich bekennen, dass ich recht gern auch das "Deutsch" fortließe
und einfach "den Menschen" setzte"- Dieses Zitat von Brahms aus der Korrespondenz um die
Bremer Aufführung mit Carl Reinthaler benennt auch den Kern der vom Komponisten sehr überlegt zusammengestellten
Textvorlage. "Ein deutsches Requiem" ist eben nicht eine deutsche Fassung des lateinischen Requiem-Textes,
sondern eine musikalische Totenfeier, die quer steht zum liturgischen Modell. Ganz im Gegensatz zur traditionellen
Bitte um Erlösung des Toten steht bei Brahms der Mensch im Vordergrund - der Lebende - der zurückgelassene,
der Trauer und Leid Tragende. Er soll getröstet werden. Von dieser Leitidee ausgehend wird in den einzelnen
Sätzen aus verschiedenen Perspektiven über den Tod meditiert und reflektiert, und um den Begriff des
Trostes gruppieren sich Hoffnung und Geduld, Ruhe und Zuversicht.
Musikalisch steht das Requiem in der Biographie von Brahms in einer Zentralstellung: In der viel-fältigen
Erfindungskraft, der Neigung zu ausladender Breite, der Pflege barocker und klassischer Techniken laufen die Fäden
seiner bisherigen Studien und Arbeiten zusammen. Sowohl in der formalen Anlage wie in den satztechnischen Details
und Verfahren zeigt sich hier die Meisterschaft, die Brahms zu Recht auf einen Schlag zu einem der anerkanntesten
Meister seiner Zeit machte.
Stärker als bei den meisten zeitgenössischen Oratorien ist der Chor sowohl als Klangkörper wie als
Träger des gedanklichen Gehalts in den Mittelpunkt gestellt. Keiner der Sätze ist ohne Chorbe-teiligung,
und die Solopartien bringen inhaltlich nichts, was nicht auch im Chor thematisiert würde. Die verschiedenen
Satzformen und die sorgfältige Beachtung der vokalen Linie in allen Stimmen machen die Partitur so auch zu
einer der dankbarsten Aufgaben für die aufführenden Chöre: Kontrapunktische Kunststücke wie
die reichen Chorfugen (Nr. 3, und Nr. 6), liedhafte, motettenartige und choralmäßige Passagen greifen
ineinander, bildkräftige Ausdeutungen der Textinhalte haben ebenso ihren Platz wie großräumig entfaltete
musikalische Zusammenhänge. Nicht selten fungiert das Orchester wie ein zweiter Chor, nicht begleitend und
nicht dominierend, sondern auslösend, antwortend und weiterführend.
Der erste Satz ist ein ruhiger Eingang, der die Zeitlosigkeit von Trauer und Trost beschwört. Rhythmisch profiliert
dagegengesetzt folgt im zweiten Satz ein Totenmarsch im ¾ Takt. Dem harten resignierten Ton wird im abschließenden
Fugato die Vision ewiger Freude klangmächtig entgegengesetzt. Der dritte Satz überträgt die allgemeinen
Reflexionen auf das leidende Individuum. Die im Wechsel von Bariton und Chor zunehmend schmerzlicher formulierte
Frage findet ihre vorläufige Antwort in der berühmt berüchtigten Orgelpunkt-Fuge in der Brahms das
Tonika-D als Symbol unerschütterlicher Glaubenssicherheit über 36 Doppeltakte in Pauken, tiefen Streichern
und Bläsern liegen lässt.
Nach den gewaltigen Bildern der Sätze 2 und 3 entwirft der vierte Satz eine pastorale Idylle. Das Sopran-Solo
(Nr. 5) stellt die wichtigsten Begriffe "Traurigkeit" und "Trost" noch einmal
dicht nebeneinander. Auf diese beiden zurückhaltenden Nummern folgt nun der mächtigste, dramatischte
Abschnitt: "Denn wir haben hie keine bleibende Statt". In einem gewaltigen Satz präsentiert
Brahms die Auferstehungsvision nicht als drohendes jüngstes Gericht, sondern als mächtigen Triumph, wobei
der eindrucksvolle Totentanz "Denn es wird die Posaune erschallen" von der mächtigsten Fuge
des Werks "Herr du bist würdig", weitergeführt wird. Ein freundlicher Nachklang ist
dann der siebte Satz, der wieder in den Gedankenkreis und die musikalische Atmosphäre des Anfangssatzes zurückleitet,
dabei aber mit feinsten Bezügen eine neue Qualität der Darstellung und Durchdringung erreicht.